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Doomscrolling

Gerade in Krisenzeiten wie der COVID-19-Pandemie, dem Klimawandel oder dem Krieg gegen die Ukraine findet sich vermehrt eine schlechte Nachricht nach der anderen in Informationsportalen und Social-Media-Angeboten wieder. Bei Lesenden kann das zu sogenanntem Doomscrolling führen. webhelm erklärt, was darunter zu verstehen ist.

Was ist Doomscrolling?

Doomscrolling ist ein vor allem in Krisenzeiten weitverbreitetes (Online-)Phänomen. Der Begriff kommt aus dem Englischen und kann ungefähr mit „sich selbst ins Verderben scrollen“ übersetzt werden. Beschrieben wird dabei das exzessive Suchen nach und Konsumieren von negativen Nachrichten auf verschiedenen Online-Kanälen im Netz.

Das Lesen einer ersten negativen Nachricht löst häufig Beunruhigung in einem Menschen aus. Durch das Recherchieren nach weiteren Informationen zu dem Thema wird versucht, sich selbst wieder zu beruhigen. So kann es schnell zu einem endlosen Konsumieren von negativen oder beunruhigenden Nachrichten auf verschiedenen Kanälen und Plattformen im Netz kommen, wodurch das eigene Wohlbefinden (stark) negativ beeinflusst werden kann. Dies passiert häufig trotz bewusster Wahrnehmung der Negativität. So können Nachrichten beispielsweise entmutigend oder traurig sein und werden trotzdem konsumiert. Daraus kann ebenfalls der Zwang entstehen, sich mit negativen Nachrichten zu umgeben. Folglich fällt das Loslösen von dem stetigen Informieren über negative Dinge oft schwer. Zusätzlich kann durch Doomscrolling dauerhafter Stress ausgelöst werden, was zu Schlafmangel und Erschöpfung führen kann. In extremen Fällen können auch Angstgefühle, depressive Symptome wie das Gefühl von Hilflosigkeit oder Unsicherheit entstehen.

Gründe für Doomscrolling

Wie kommt es aber zu Doomscrolling? Gerade negative Ereignisse im Weltgeschehen können die Lesenden beunruhigen, woraufhin nach Nachrichten gesucht wird, die für Entspannung sorgen. Außerdem orientieren sich Menschen häufig an Gefahrensituationen und wollen stets über Bedrohungen Bescheid wissen, weshalb sie danach Streben, genaustens informiert zu sein. Dafür werden als Reaktion auf das Lesen einer schlechten Nachricht häufig weitere Informationen zu dem eventuell als Bedrohung wahrgenommenen Ereignis im Netz gesucht. Hierbei erscheinen zahlreiche Ereignisse bei der aktiven Suche nach weiteren negativen Nachrichten im Netz.

Zusätzlich ermöglicht das Netz und vor allem Social-Media-Plattformen ein endloses Scrollen. Dies wird auch als „Infinity Scroll“ bezeichnet. Sobald der untere Smartphone-Rand erreicht wird, werden die Nachrichten bzw. Posts automatisch neu geladen, sodass keine lange Wartezeit aufkommt. Ebenfalls sorgt die Aktualisierung des eigenen Social-Media-Feeds dafür, dass immer wieder neue Nachrichten eingesehen werden können. Auch Algorithmen haben oft eine verstärkende Wirkung im Zusammenhang mit Doomscrolling. Es reicht häufig ein Klick auf einen Inhalt mit negativen Informationen und es tauchen immer mehr solcher Informationen in dem eigenen Feed auf. Zusätzlich interagieren Nutzenden häufiger mit Beiträgen, die Emotionen auslösen, weshalb zahlreiche Nachrichtenportale, aber auch Influencer*innen oder ähnliche mediale Persönlichkeiten vorrangig negative Nachrichten posten. Hier spielt auch Clickbaiting eine große Rolle. Dadurch entsteht bei den Lesenden das Gefühl, etwas nicht zu wissen und es wird danach gestrebt, die angebliche Wissenslücke füllen zu wollen.

Durch Doomscrolling kann es dazu kommen, dass sich Menschen in einem endlosen Kreislauf befinden und immer weiter nach schlechten Nachrichten suchen. Hierbei fällt es oft schwer, aus eigener Kraft aufzuhören und sich von den Nachrichten zu lösen.

Hinweise für Fachkräfte und Eltern

Doomscrolling kann sich durch das endlose Konsumieren schlechter Nachrichten negativ auf das eigene Wohlbefinden auswirken. Dies kann sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene betreffen. Häufig geht das Phänomen auch mit einer hohen Nutzungsdauer und -intensität von Social-Media-Plattformen einher. Um Doomscrolling entgegenzuwirken, ist es ratsam, gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen den eigenen Medienumgang kritisch zu reflektieren. Es gilt dabei die Bedeutsamkeit der Orientierung an vertrauenswürdigen Quellen aufzuzeigen. Prüfkriterien für seriöse Webseiten finden sich hier. Ratsam ist auch, verschiedene Quellen zu betrachten, um ein umfassendes und differenziertes Bild von der Situation zu erlangen.

Zusätzlich empfiehlt es sich, Zeitbegrenzungen für die Mediennutzung zu setzen. Hierbei kann die Smartphone-Zeit sowohl digital als auch analog reduziert werden. Um die Konfrontation mit negativen Nachrichten einzuschränken, können zudem Push-Benachrichtigungen einzelner Apps deaktiviert werden. Zusätzlich ist es bedeutsam zu schauen, welchen Personen auf Social Media gefolgt wird. Es empfiehlt sich, seriösen Nachrichtenplattformen zu folgen und darüber hinaus Profilen, die differenzierten Content produzieren.