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Mit der Foto-App BeReal sollen Nutzende einmal am Tag authentische Fotos mit ihren Freund*innen teilen können. Anders als bei Instagram, TikTok und Co. wird nur einmal am Tag ein Foto gepostet – wann das der Fall ist, entscheidet die App. Dieser neue Trend geht auch an Kindern und Jugendlichen nicht vorbei. webhelm hat sich BeReal einmal genauer angesehen.

Was macht BeReal aus?

In den USA und Dänemark zählte die BeReal-App in den vergangenen Monaten zu den Top 10 der am meisten heruntergeladenen Apps. Sie ist kostenlos, werbefrei und für Android sowie iOS erhältlich. Eine Nutzung ist ab 13 Jahren vorgesehen, jedoch findet keine Altersüberprüfung statt. Zudem ist eine Registrierung mit Name, Geburtsdatum und Telefonnummer (für die Zusendung eines Codes per SMS) nötig. Ähnlich wie bei Instagram oder Snapchat geht es bei BeReal hauptsächlich um Fotoinhalte. Jedoch sollen sich diese gezielt von perfekt inszenierten Fotos abgrenzen und ohne Filter oder Bearbeitung auskommen. Dabei sollen ungeschönte Schnappschüsse mehr Öffentlichkeit erlangen – mit Challenge-Charakter: Die Nutzenden können nur ein Foto pro Tag posten und auch immer nur dann, wenn die App eine Push-Nachricht dazu schickt. Die Aufforderung kann jederzeit kommen und geht  an alle Nutzer*innen gleichzeitig raus. Von da an haben alle zwei Minuten Zeit ein Foto aufzunehmen.

Wie funktioniert die App?

Bei der Foto-Aufnahme fotografieren Front- und Rückkamera des mobilen Endgeräts gleichzeitig. Die Vorschau zeigt beide Bilder an, wobei eins der beiden immer nur kleiner angezeigt wird. Gepostet werden immer beide Bilder. Das Hochladen von bereits aufgenommen Fotos ist nicht möglich. Innerhalb der vorgegeben zwei Minuten muss neben der Aufnahme des Fotos auch entschieden werden, ob das Bild nur mit den befreundeten Kontakten oder öffentlich im Discovery-Feed geteilt wird. Zusätzlich ist das Teilen des eigenen Standorts automatisch aktiviert, wird jedoch nur durchgeführt, wenn zuvor die Freigabe erteilt wurde.

Die Fotos von befreundeten Kontakten werden erst sichtbar, sobald ein eigenes Bild hochgeladen wird. Die öffentlichen Fotos sind jederzeit einsehbar. Freund*innen können über Synchronisation mit den eigenen Kontakten oder mit der Suche nach User*innennamen gefunden werden. Zudem können Profile aus dem öffentlichen Feed als Freund*innen hinzugefügt werden. Nach dem Posten eines Bildes kann diesem eine Bild-Unterschrift hinzugefügt werden.

Wer die Zwei-Minuten-Challenge nicht schafft, kann später trotzdem noch ein BeReal aufnehmen. Jedoch erscheint dann für die anderen Nutzenden immer die Information darüber, wie viel länger für dieses Foto gebraucht wurde. Die geposteten Aufnahmen löschen sich automatisch nach 24 Stunden. Die eigenen Fotos können im Archiv gespeichert und jederzeit in den eigenen Memories eingesehen, heruntergeladen und auf anderen Social Media Plattformen geteilt werden. Mit dem neuen Update „Bonus BeReal“ ist es BeReal-Nutzenden möglich, pro Tag mehr als ein Foto machen zu können. Die Nutzenden erhalten zwei weitere Bonus BeReal-Posts, wenn sie es schaffen, innerhalb der täglichen Zwei Minuten ein Foto hochzuladen. Jedoch scheint Bonus BeReal aktuell nur in ausgewählten Regionen verfügbar zu sein, welche das genau sind, wird nicht erklärt. Wenn außerhalb des Zwei-Minuten-Fensters ein ebReal gepostet wurde, ist die Bonus BeReal-Funktion für den tag gesperrt.

In der App gibt es keine Filter, keine Likes, es können keine Videos aufgenommen werden und die eigene Follower*innenzahl ist nicht öffentlich sichtbar. Zudem sind keine Kommentare möglich. Stattdessen kann auf Beiträge mit Emojis oder sogenannten RealMojis reagiert werden. Die RealMojis können eigenes erstellt werden und zeigen das eigene Gesicht als Reaktion. Eine Blockierfunktion gibt es laut der BeReal-Website bereits für Android und soll demnächst auch für iOS verfügbar sein (Stand Juli 2022). Eine Meldefunktion für unerwünschte und unangemessene Inhalte existiert für alle und jedes Bild. Eine Löschung des eigenen Accounts erfolgt nach Beantragung in den Einstellungen innerhalb von 15 Tagen.

Herausforderungen

Auch wenn die App BeReal mit einem vielversprechenden Konzept wirbt, gibt es vor allem im Hinblick auf die Nutzung durch eine junge Zielgruppe einiges zu beachten. Durch das öffentliche  Posten von Aufnahmen können alle Nutzenden weltweit die eigenen Bilder sehen und darauf reagieren. Auch können die Fotos von anderen auf weiteren Social Media Plattformen geteilt werden. Zudem wird dadurch oftmals viel über sich selbst und die eigene Umgebung preisgegeben. Allein durch die Standortfreigabe kann eingesehen werden, wo sich andere Nutzende bei der Fotoaufnahme befinden.

Dadurch, dass die Nutzenden den Zeitpunkt des Fotos nicht selbst bestimmen, sondern von der App vorgegeben bekommen mit einem Zeitlimit von zwei Minuten, wird ein gewisser Druck auf sie ausgeübt. So kann es dazu kommen, dass Fotos unüberlegt in privaten Situationen aufgenommen werden, die normalerweise nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Auch entsteht ein sozialer Druck dadurch, dass das Foto möglichst in der vorgegebenen Zeit aufgenommen und gepostet werden soll. Ansonsten kann jede Person sehen, wie viel länger dafür gebraucht wurde. Auch wenn die Posts automatisch nach 24 Stunden gelöscht werden, können andere Nutzende unbemerkt Screenshots machen und diese außerhalb der App verbreiten. Ebenso kann es passieren, dass junge Menschen Druck verspüren, ihre Bilder möglichst aufregend und kreativ gestalten zu müssen, um für ihre BeReal-Kontakte nicht langweilig zu wirken. Bezüglich des Datenschutzes ist zu beachten, dass bei der Registrierung personenbezogene Daten erfasst werden, wie Name oder Telefonnummer. Auch wird die IP-Adresse gespeichert und Daten werden unverschlüsselt übertragen.

Tipps und Hinweise

Für eine angemessene Betrachtung der App BeReal empfiehlt es sich, dass sich Eltern und Fachkräfte selbst ein Bild von der App machen. Wenn sich ein Kind dort anmelden möchte, ist es wichtig, ein gemeinsames Gespräch über die Nutzungshintergründe zu führen. Auch sollten Eltern versuchen, die Faszination ihrer Kinder nachzuvollziehen. Zudem sollten die Heranwachsenden für Risiken wie sozialer Druck oder unbeachtetes Posten sensibilisiert werden. Hier kann vor allem auf das Thema Persönlichkeitsrecht zu sprechen gekommen werden. Auch sollte das Kind bei der Registrierung begleitet werden und gemeinsam sichere Einstellungen vorgenommen werden. Dazu zählen beispielsweise das Angeben eines Pseudonyms als Namen oder das Deaktivieren der Standortfreigabe. Zusätzlich sollten Eltern und Fachkräfte stets als Ansprechpersonen bei Problemen zur Verfügung stehen.