Navigation überspringen

Ob Mode, Make Up, Rezepte oder Einrichtung: Auf TikTok gibt es zahlreiche Trends zu entdecken, die von verschiedenen Nutzer*innen aufgegriffen und verbreitet werden. Einige Trends gehen sogar noch einen Schritt weiter und geben vor, wie ein idealer Alltag auszusehen hat. Auffällig an solchen Videos ist, dass diese oft von weißen, wohlhabenden Influencer*innen ins Leben gerufen werden. Mit der Lebensrealität von dem Großteil der Nutzer*innen hat dies meist nichts zu tun. Insbesondere PoCs (People of Color) finden sich in solchen Trends kaum wieder.

In diesem Artikel sollen verschiedene Beispiele für Beauty-Trends betrachtet werden, die klassistische oder rassistische Stereotype widerspiegeln und deshalb als problematisch zu sehen sind.

Chav-Trend

Der Chav-Trend ist bereits einige Jahre alt. Zu sehen ist hierbei eine normschöne, junge und meist weiße Frau, während aus dem Off der Sounds „Du siehst gar nicht britisch aus.“ ertönt. Als Reaktion darauf fängt sie an, Schminke in rohen Mengen aufzutragen. Viele Nutzer*innen griffen diesen Trend daraufhin auf und nutzen den Sound für ihre Videos. Das Ganze wurde mit dem Hashtag „Chav“ versehen. Eigentlich soll sich dieser Trend über Klischees über Brit*innen lustig machen. Allerdings gilt Chav als abwertende Bezeichnung für die unteren Klassen in Großbritannien.  Mit der Parodie soll also der vermeintlichen Stil der britischen Unterschicht abgebildet werden und reproduziert dabei klassistische Stereotype.

Clean-Girl-Trend

Lange Zeit sehr beliebt und gerade wieder am abflachen ist der Clean-Girl-Trend. Die Optik dieses Trends zeichnet sich durch vermeintlich wenig, beziehungsweise dezenter Schminke, schlichter Mode und dem Tragen von Goldschmuck aus. Meist werden die Videos mit dem Hashtag „cleangirl“ versehen oder per Audio bzw. Text auf den Trend hingewiesen. Ursprünglich stammt die Clean-Girl-Optik von POCs, insbesondere aus der Latino-Community. Nun wird er allerdings fast auschließlich von weißen Influencerinnen umgesetzt und zielt im Kontext der „sauberen Schönheit“ hauptsächlich auf ein eurozentristisches Schönheitsideal ab. Zum Clean-Girl-Trend haben sich bereits einige Schwarze Influencer*innen geäußert: Der Clean-Girl Look, wie er nun auf Social Media praktiziert wird, mit schlichten Farben und dezentem Make-Up funktioniere für Schwarze Frauen schlicht nicht.

Vanilla-Girl-Trend

Ein weiterer Trend, der seit geraumer Zeit auf Sozialen Medien kursiert, ist der Vanilla-Girl-Trend. Allein das Wort „Vanilla“ wird im englischsprachigen Raum umgangssprachlich mit „weiß sein“ übersetzt. Ähnlich wie beim Clean-Girl-Trend werden hier Schlichtheit, ein dezenter Look und möglichst minimalistische Einrichtung angestrebt. Ebenso werden auch hier hauptsächlich eurozentristische Schönheitsideale präsentiert. Denn der Trend wird überwiegend von weißen, blonden Influencerinnen aufgegriffen. Neben Ästhetik werden auch ideale Verhaltensweisen für ein „typisches Vanilla Girl“ unter diesem Trend vorgegeben. So sollten sich Vanilla Girls eher ruhig und unauffällig verhalten, womit veraltete Stereotype und Erwartungen an Frauen reproduziert werden.

Tipps und Hinweise

Beautytrends können inspirieren und dazu anregen, Neues auszuprobieren. Dabei ist es allerdings wichtig zu hinterfragen, wieso gewisse Ästhetiken in Social Media besser gewertet werden als andere. Vielen Teilnehmenden der oben genannten und anderer Trends ist dabei nicht bewusst, welche Klischees und Schönheitsideale wirklich dahinter stecken. Sollten Jugendliche den Trends folgen und solche Inhalte reproduzieren, sollten diese dafür nicht kritisiert werden, sondern ruhig und in für Jugendliche verständlicher Weise auf die Hintergründe dieser Trends hingewiesen werden.

Trends wie #vanillagirl, #cleangirl oder #thatgirl können zudem Druck auf Jugendliche ausüben, den gezeigten Idealen entsprechen zu müssen. Besonders für junge POCs scheinen die angestrebten eurozentristischen Schönheitsideale unerreichbar. Fehlende Repräsentanz kann sich für sie negativ auf ihren Selbstwert auswirken.

Glücklicherweise gibt es bereits einige Accounts, die Gegenmodelle von klassischen Beautytrends aufzeigen und für realistischere Schönheitsideale einstehen. So zeigen unter den Hashtags #CleanMakeupForBlackGirls oder #cleanlookblackgirl Schwarze Frauen, dass Beauty-Trends nicht an Hautfarben gebunden sein müssen. Auch Videos mit der Caption „Clean-Girl-Aesthetic, but make it black“ oder „Decolonize your beauty-standards!“ machen darauf aufmerksam, dass Trends meist auf eurozentristischen Schönheitsmerkmalen beruhen. Eine weitere Bewegung, unter der sich Nutzer*innen den klassischen, vorherrschenden Schönheitsidealen wiedersetzen ist der Hashtag #bodyneutrality.