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Kalorienzähler-Apps – das Versprechen vom „Summer-Body“

Zum „Sommer-Body“ innerhalb kürzester Zeit – das versprechen Kalorienzähler-Apps ihren Nutzer*innen. Besonders im Sommer wird oftmals das Bild vermittelt, eine vermeintlich perfekte und damit möglichst schlanke Figur erreichen zu „müssen“. Dieses gesellschaftliche Schönheitsideal geht auch nicht an Jugendlichen vorbei. Einige beginnen bereits im jungen Alter, Kalorien zu zählen und sich dafür Kalorienzähler-Apps herunterzuladen.

Was sind Kalorienzähler-Apps?

Kalorienzähler-Apps versprechen den Nutzenden dabei zu helfen, Diäten besser und einfacher einhalten zu können. Dabei werden die Kalorien innerhalb der App notiert bzw. getrackt. Als eine zentrale Funktion der meisten solcher Apps dient die Erstellung eines individuellen Abnehmplans. Dafür wird das gewünschte Körpergewicht angegeben und die App errechnet den Nutzenden, wie viele Kalorien sie zur Erreichung ihres Gewichts am Tag nur zu sich nehmen „dürfen“. Nun können die Nutzenden alles in die App eintragen, was sie am Tag essen – vom Spiegelei zum Frühstück über den Schokoriegel als Mittagssnack bis hin zum Apfelsaft. Die Apps haben oftmals die Kalorien für die einzelnen Lebensmittel bereits gespeichert, weshalb mit der Suchfunktion nur noch die passende Menge angegeben werden muss. Bei Eingabe eines Lebensmittels werden die noch zur Verfügung stehenden Kalorien für den Tag stets neu berechnet. Ebenfalls können solche Apps auch bei dem Wunsch nach Zunahme genutzt werden.

Teilweise bieten die Apps auch Rezeptvorschläge an. Ebenfalls können häufig Sporteinheiten in der App getrackt werden. Dies kann durch das manuelle Eingeben oder die Verbindung mit Self-Tracking-Apps geschehen. Zudem schicken die Anwendungen vielfach Benachrichtigungen zur Motivation oder Erinnerung ans Wiegen oder an die Eingabe der bereits zu sich genommenen Kalorien.

In den App-Stores lassen sich zahlreiche solcher Anwendungen finden. Viele davon können kostenlos auf einem mobilen Gerät installiert werden und direkt nach Anmeldung genutzt werden. Für die Anmeldung sind oftmals der Name, eine E-Mail-Adresse, ein Passwort sowie die Angabe von Gewicht und Größe notwendig. In der Basis-Version sind die Anwendungen meistens kostenlos nutzbar, jedoch mit eingeschränkten Funktionen. Häufig wird mit kostenpflichtigen Erweiterungspaketen geworben, die eine umfänglichere Nutzung der App versprechen.

Herausforderungen

Ob in Magazinen, in der Werbung oder in Social Media: Jungen Menschen begegnen häufig einem einseitigen Schönheitsideal. Das kann ihnen den Eindruck vermitteln, dass Schönheit mit einem schlanken und sportlichen Körper einhergeht, den es zu erreichen gilt. Viele Social-Media-Kanäle zeigen hierzu Ernährungstipps, Rezeptvorschläge oder Sportvideos. Einige Influencer*innen sprechen auch davon, dass sie ihr Gewicht mit einer Kalorienzähler-App erreicht haben und dass dies ein einfacher Weg sei. Gleichzeitig findet sich oft Werbung zwischen den einzelnen Postings und Storys, die auf Self-Tracking-Apps oder eben solche Kalorienzähler hinweist. Es wird versprochen, dass eine Abnahme allein durch das Ausrechnen von Kalorien pro Tag erreicht werden soll. Das kann Nutzende, darunter auch Jugendliche, dazu verleiten, die entsprechenden Apps herunterzuladen und den dort angegebenen Informationen und Tipps zu vertrauen.

Jedoch gilt es hier den Blick für die Realität nicht zu verlieren. Allein dadurch, dass die Angabe von Lebensmittelmengen oft einem Durchschnittswert folgt, kann es zu Schwankungen kommen. So ist nicht jeder Apfel oder Stück Kuchen immer gleich groß. Zudem hängt der Kalorienverbrauch des Körpers von vielen Faktoren ab. Darunter beispielsweise, wie viel sich am Tag bewegt wird, welche genetischen Eigenschaften vorliegen, aber auch die Ausprägung des individuellen Stoffwechsels. Diese Faktoren kann eine App selten mit einbeziehen und nicht genau berechnen. Somit besteht die Herausforderungen bei Kalorienzähler-Apps darin, dass Gewichtsschwankungen häufig normal sind, durch die Apps jedoch lediglich auf die eingenommene Nahrung zurückgeführt werden. Dadurch kann Druck entstehen, weiterhin noch weniger zu essen. Dies kann schnell in ein ungesundes Essverhalten bis hin zu einer Essstörung führen.

Tipps für Eltern und Fachkräfte

Im Umgang mit Kalorienzähler-Apps unter Jugendlichen ist es für Eltern und Fachkräfte bedeutsam, stets als Ansprechpartner*innen zur Verfügung zu stehen und die Sorgen und Ängste von Kindern und Jugendlichen ernst zu nehmen. Es ist wichtig, ihnen zu vermitteln, dass die Zahlen in einer App nichts über das eigene Körpergefühl sowie das eigene Wohlbefinden aussagen. Anstatt Kalorien per App zu zählen und dabei sensible Daten preiszugeben, sollte ein ausgewogener Umgang mit Bewegung und Ernährung vermittelt werden.

Außerdem ist es empfehlenswert, das Selbstbewusstsein der jungen Menschen zu stärken und sie darauf aufmerksam zu  machen, dass Schönheit vielfältig ist und unabhängig von Kleidergrößen oder bestimmten körperlichen Idealen existiert. Hierbei kann es helfen, sich kritisch mit medialen Vorbildern auseinanderzusetzen. Viele Influencer*innen bearbeiten ihre Bilder stark und nutzen Filter, um einem bestimmten Ideal zu entsprechen. Für junge Nutzer*innen ist dies nicht immer durchschaubar. Um das eigene Körpergefühl zu stärken, kann es helfen, den Social-Media-Feed aktiv neu zu gestalten und Diversität zu erzeugen. Hashtags wie #Bodypositivity, #Bodyneutrality oder #instavsreality können helfen, um hinter die Kulissen vieler Social-Media-Inhalte zu blicken und vielfältige Vorbilder zu finden. Ebenso kann die Methode „Insta vs. Reality“ unterstützen, um Schönheitsideale und Selbstdarstellung in Social Media zu reflektieren.

Vor allem in der Pubertät kann es bei jungen Menschen zu Unsicherheiten bezüglich des eigenen Körpers und dessen Veränderungen kommen. Tracking-Apps können ihnen das Gefühl vermitteln, die Kontrolle zu wahren. Diese Umstände können auch die Entstehung einer Essstörung begünstigen. In diesem Fall ist es wichtig, Jugendliche nicht allein zu lassen und sie gegebenenfalls auf Beratungsstellen und Hilfsangebote aufmerksam zu machen.