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Hate Speech erlebbar machen

Hate Speech – ein Phänomen, welches vorwiegend online auftritt und Menschen oder Personengruppen diskriminiert. Was genau Hate Speech im Netz bedeutet, erklärt dieser Beitrag. Im Netz lebt Hate Speech vor allem von Anonymität und rasanten Verbreitungsmöglichkeiten. Um Kinder und Jugendliche für Hate Speech zu sensibilisieren und sie zur kritischen Reflektion anzuregen, kann die folgende Methode angewandt werden.

Dauer: ca. 60-90 Minuten
Gruppengröße: 10-15 Personen
Altersempfehlung: ab 13 Jahren
Komplexität: mittel

Technik und Material

  • PCs, Tablets oder eigenen Smartphones mit WLAN
  • Beamer mit Verbindungskabel

Beschreibung

Für das Durchführen der Methode werden verschiedene Versionen angeboten. Diese können jeweils einzeln oder auch in Kombination miteinander durchgeführt werden. Bei allen Versionen werden die Teilnehmenden in zwei Gruppen eingeteilt. Gruppe 1 nimmt immer die Rolle der Hater*innen ein, Gruppe 2 hat die Aufgabe das genannte Statement rational zu verteidigen und gleichzeitig die Argumente der Hater*innen zu widerlegen. Bei der Einteilung der Gruppen kommt es darauf an, wie viele Endgeräte mit WLAN-Zugang zur Verfügung stehen. Möglich ist, dass jede*r Teilnehmende mit einem Tablet arbeitet oder mit dem eigenen Smartphone. Optional kann auch ein Computerraum mit ausreichenden Standrechnern genutzt werden. Sollten nicht genügend Endgeräte zur Verfügung stehen, so kann neben den zwei Gruppen noch eine Beobachtergruppe gebildet werden, welche objektiv den Ablauf verfolgt. Sofern solch eine dritte Gruppe gebildet wird, wird ein Beamer benötigt, um den Beobachtern den Verlauf der Online-Diskussion präsentieren zu können.

Die Methode beginnt damit, dass die Fachkraft ein Statement zu einem beliebigen Thema setzt und die Teilnehmenden bittet, darauf in ihrer jeweiligen Rolle zu reagieren. Ein Beispiel-Thema könnte sein:  „Fahrradwege sollen abgeschafft werden“. Bei der Wahl des Themas, sollte sensibel vorgegangen werden und eher ein neutrales Beispiel gewählt werden, damit kein Hass auf eine konkrete Personengruppe entsteht. Stattdessen kann im Anschluss an die Methode darauf eingegangen werden, dass Hate Speech sich viel spezifischer gegen Personengruppen richten kann. Die Jugendlichen können gefragt werden, was sie aus ihrem Alltag heraus kennen und was sie daran wütend macht.

Um die Diskussion online darstellen zu können kann das Tool Kialo verwendet werden. Dieses dient zur Visualisierung von Argumenten und Diskussionen. Es kann auf jedes Argument direkt Bezug genommen oder ein neues erstellt werden. Eine Diskussion wird erstellt, indem unter dem Reiter „Mein Kialo“ auf Diskussion erstellen geklickt wird. Zu beachten ist hierbei, dass die moderierende Person sich einen Account erstellen muss. Dies funktioniert zwar ohne Angabe der E-Mail Adresse (lediglich Nutzername und Passwort sind notwendig), jedoch kann das Konto erst gelöscht werden, wenn eine Mail an den Kialo-Service geschrieben wird. Empfehlenswert ist hier, dass die Fachkraft für jede*n Teilnehmende*n im Vorhinein einen Account mit einem Passwort und unter einem Pseudonym anlegt und diese an die Teilnehmenden verteilt. So kann sie Accounts auch im Nachhinein eigenständig löschen oder mit einer anderen Gruppe verwenden. Die moderierende Person lädt die Teilnehmenden zur gemeinsamen Diskussion über den Button Teilen und dann über die jeweiligen Nutzernamen ein. Nun wird festgelegt, dass die Gruppe der Hater*innen die Pros-Argumente formulieren und die Verteidiger*innen Gruppe die Cons-Argumente. Je nach gewähltem Statement, kann die Zuteilung der Argumentationsseite auch andersherum erfolgen. Die Teilnehmenden können nun anfangen zu argumentieren und auf einander Bezug zu nehmen. Im oberen Teil der Diskussion wird eine Art Mindmap dargestellt, die den Argumentationsfluss anzeigt. Mit einem Klick auf die jeweiligen farbigen Felder, kann auf das ausgewählte Argument Bezug genommen werden. So entsteht schnell eine Fülle an Argumenten, bei der die Teilnehmenden die Aufgabe haben immer weiter gegeneinander zu argumentieren und zu diskutieren.

Wie genau die Situation gestaltet werden kann, zeigen die folgenden zwei Versionen:

Version 1

Im Raum werden genauso viele Stühle wie Teilnehmende pro Gruppe aufgestellt, wobei die jeweiligen Gruppen mit dem Rücken gegeneinander sitzen. Jede*r dort sitzende Teilnehmende*r benötigt nun ein Endgerät mit WLAN-Zugang und dem Link zur Diskussion. Die Teilnehmenden sollen sich während der Diskussion nicht umdrehen und nicht miteinander sprechen. Die leitende Person beginnt die Diskussion auf Kialo nun, indem sie ein Statement setzt und die Teilnehmenden bittet in ihren Rollen zu argumentieren. Zu Anfang wird eine Zeit für die Diskussion festgelegt, je nach Anzahl der Teilnehmenden zwischen 10 und 15 Minuten. Nachdem die Zeit abgelaufen ist, wechseln die Gruppen die Rollen. Nun setzt die Fachkraft ein neues Statement, wozu wieder eine erneute, zeitlich begrenzte Online-Diskussion beginnt. Nachdem auch diese Runde vorbei ist, setzen sich die Teilnehmenden zusammen und reflektieren, wie einfach oder schwer es für sie war ihre jeweilige Rolle einzunehmen und wie sie sich dabei gefühlt haben.

Im zweiten Teil dieser ersten Version nimmt nun die Gruppe 1 erneut die Rolle der Hater*innen ein und Gruppe 2 die der Verteidiger*innen. Diesmal werden die Stühle aber umgedreht, so dass sich die beiden Gruppen gegenüber sitzen und sich anschauen können. Es wird wieder ein Statement gesetzt und die Gruppen haben Zeit zu diskutieren. Danach können die Rollen der Gruppen getauscht werden. Nach diesen beiden Runden setzen sich alle wieder zusammen und tauschen sich darüber aus, wie sie sich im zweiten Teil gefühlt haben, was sie gedacht haben und welchen Unterschied sie zum ersten Teil wahrgenommen haben. Hierbei können Themen wie Anonymität, schnelle Verbreitung oder auch Unübersichtlichkeit zu Sprache kommen, welche sich einfach auf Hate Speech im Netz übertragen lassen.

Version 2

Die Teilnehmenden werden wieder in Gruppe 1 und Gruppe 2 aufgeteilt und in verschiedene Räume gesetzt. Es geht nun darum, dass die Gruppen jeweils in der ersten Runde verteilt im Raum sitzen und nicht miteinander reden oder sich Zeichen geben dürfen. Jede*r hat die Aufgabe für sich in seiner zugeteilten Rolle zu argumentieren. Möglich ist es nach dieser Runde die Rollen der Gruppen zu tauschen und eine weitere Diskussion ohne direkten Kontakt zu starten. Im zweiten Teil nimmt Gruppe 1 wieder die Rolle der Hater*innen ein und Gruppe 2 die der Verteidiger*innen. Nun dürfen sich die Gruppen aber zusammensetzen, sich austauschen und gemeinsam argumentieren. Ein weiterer Tausch der Gruppen ist möglich. So kann jede*r einmal jede Rolle in beiden Situationen einnehmen und für sich reflektieren. Anschließend kommen alle zu einer abschließenden Diskussion zusammen. Hierbei wird ebenfalls gefragt, wie sie sich in ihren jeweiligen Rollen gefühlt haben und wie sie den Unterschied zwischen der Diskussion ohne Kontakt und der Diskussion mit Kontakt zu der eigenen Gruppe wahrgenommen haben. Es kann ebenfalls auf die vorherrschende Anonymität und die Unübersichtlichkeit Bezug genommen werden zusätzlich aber auch auf die Gruppenstärke. Es geht darum, zu erfassen, dass es hilfreich sein kann, sich zusammenzuschließen damit ein Gruppengefühl entsteht, welches stärkend wirken kann.

Stärken der Methode

Die Methode dient vor allem dazu, das Thema Hate Speech im Netz für Jugendliche erlebbar zu machen. Sie können hierbei selbst die Erfahrung machen, wie schnell es geht, dass sich Argumente verbreiten, wie schwierig es sein kann, für alles ein Gegenargument zu finden bei der schnellen Verbreitung online und was die Anonymität ausmacht. Es geht darum die Kinder und Jugendliche für das Thema Hate Speech zu sensibilisieren und sie gleichzeitig zu einer kritischen Reflektion anzuregen. Wichtig ist es, ihnen Anregungen zu geben, wie sie Hate Speech entgegentreten können, zum Beispiel über die Facebook-Gruppe #ichbinhier oder die Website no-hate-speech.de. Dort können die Heranwachsende zahlreiche Memes, Gifs, Videos und Sprüche finden, die dabei helfen, Hatern und Trollen zu widersprechen und zu einer offenen Netzkultur beizutragen. Außerdem kann über die Methode, vor allem aber in der Version 1, Empathie entwickelt werden, indem die Anonymität aufgebrochen wird und Blickkontakt während der Diskussion stattfindet.

Alternative zu Kialo

Als Alternative zu Kialo kann auch das Online-Tool „Padlet“ genutzt werden. Dieses ermöglicht die Erstellung von digitalen Pinnwänden. Dabei können alle Teilnehmende über den +-Button jeweils neue Argumente anbringen. Allerdings sollte die eigenen Rolle immer dazu geschrieben werden, damit anschließend „Argumentationsweisen“ der einzelnen Gruppen erkennbar bleiben. Die einzelnen Posts können miteinander verbunden werden, indem die Maus auf den jeweiligen Post gehalten wird, dann auf die drei Punkte geklickt wird und danach auf „Mit einem Post verknüpfen“. Nun kann der jeweilige Post, auf den Bezug genommen werden soll, ausgewählt werden. Dadurch entstehen unterschiedliche Verbindungen. Je nach Art der Nutzung fallen bei der Bearbeitung  über einen Link oder einen QR-Code keine personenbezogenen Daten an. Wie genau das Tool funktioniert erklärt dieser Beitrag.