Inszenierung von Hobbies auf Social Media?
Immer mehr Menschen teilen auf Social Media Inhalte, in denen sie ihre Hobbies zeigen. Ein Screenshot von der Durchschnittszeit nach dem geschafften Lauf, Fotos aus dem Fitnessstudio oder ein Video, in dem der kreativen Leidenschaft nachgegangen wird – sowohl Creator*innen als auch private Nutzer*innen lassen ihre Follower*innen regelmäßig an ihren Freizeitaktivitäten teilhaben. Solche Inhalte zu konsumieren, kann für Jugendliche inspirierend sein und sie motivieren für sich selbst ein erfüllendes Hobby zu finden. Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwiefern es für junge Nutzer*innen auch herausfordernd sein kann, auf Social Media häufig mit den Hobbies anderer konfrontiert zu sein.
Hobbies als Content
Dass viele Influencer*innen Inhalte produzieren, in denen sie ihre Follower*innen an ihren Hobbies teilhaben lassen, ist nicht unbedingt eine neue Entwicklung. Bei vielen Creator*innen stehen die eigenen Hobbies sogar im Zentrum ihres Contents. Meist ist dies der Fall, wenn die Personen ihre Passion zum Beruf machen konnten. Klassische Beispiele hierfür sind Hobbies wie Fotografie und Videoproduktion, Sport, oder auch Mode und Beauty. Außerdem ist es bei Nutzer*innen, die eine Professionalisierung als Creator*in anstreben, ein übliches Vorgehen, Inhalte zu erstellen, in denen sie ihre Hobbies präsentieren. Auch viele private Nutzer*innen posten Content zu ihren Freizeitaktivitäten auf Social Media. Eine neuere Entwicklung scheint jedoch, dass ihre Inhalte teilweise recht professionell wirken und in ihrer Aufmachung ein Stück weit an die von Influencer*innen erinnern. Andererseits lässt sich beobachten, dass auch private Nutzer*innen ihrem Umfeld auf Social Media häufig von Erfolgen berichten, die sie bei ihren Freizeitaktivitäten verzeichnen konnten. Eine besonders schöne Reise, eine schnelle Durchschnittszeit beim Joggen oder ein fertiggestelltes Kunstwerk.
Auch einige Jugendliche teilen auf Instagram, TikTok und Co. Inhalte, in denen sie ihre Freund*innen und Bekannten an ihren Hobbies teilhaben lassen. Grundsätzlich kann das als etwas Positives betrachtet werden. Denn die eigenen Hobbies spiegeln wider, was Jugendliche persönlich ausmacht und worin ihre Stärken liegen. Dazu Inhalte zu erstellen, kann ihr Selbstbewusstsein stärken und ein wichtiger Schritt in der Identitätsbildung sein. Gleichzeitig lässt sich beobachten, dass gerade bei älteren jugendlichen Nutzer*innen die zuvor angesprochene Tendenz zu einer eher erfolgsorientierten Darstellung von Hobbies, zum Teil ebenfalls Einzug hält. Dies kann mit einigen Herausforderungen für Jugendliche einhergehen.
Mögliche Herausforderungen
Wie bereits erwähnt, kann es dem Selbstvertrauen von Jugendlichen durchaus zuträglich sein und ihnen Spaß machen, eigene Inhalte zu ihren Hobbies zu erstellen. Postings von ihren Peers zu sehen, kann zudem als Inspiration oder Ansporn dienen. Die Entwicklung, dass Hobbies auf Social Media zum Teil auf eine Weise inszeniert werden, bei welcher der Erfolg im Mittelpunkt steht, kann jedoch bei Jugendlichen in mehrfacher Hinsicht zu einem Gefühl von Druck führen. Denn die Vielzahl an Inhalten, in denen Freund*innen, Mitschüler*innen und Bekannte ihre Hobbies scheinbar mit Erfolg betreiben, kann zum sozialen Vergleich führen. Dabei könnte der Eindruck entstehen, man könne ohne ein spannendes Hobby zu haben, nicht mithalten. Nicht selten haben auch bereits Jugendliche konkrete Ziele vor Augen, die sie erreichen wollen, indem sie ihr Hobby mit einer gewissen Ernsthaftigkeit betreiben. Dabei lassen sich teilweise Verhaltensmuster erkennen, welche an die der Hustle Culture erinnern. Ein Beispiel hierfür wäre sehr regelmäßiges Krafttraining zum Erreichen eines bestimmten Körperbilds, wobei dieser Prozess auf Social Media geteilt wird.
Außerdem könnten sich jugendliche Nutzer*innen durch das Verhalten ihrer Peers implizit dazu gedrängt fühlen, ebenfalls Inhalte zu ihren Hobbies zu erstellen. Möglicherweise wirkt es auf Jugendliche so, als würde es nicht ausreichen ihren Hobbies aus Spaß, also ohne Leistungsanspruch nachzugehen und keine Inhalte dazu zu erstellen. Des Weiteren könnte die oftmals verkürzte Darstellung auf Social Media dazu führen, dass Jugendliche beim Versuch einer neuen Freizeitaktivität, ein hohes Maß an Frustration empfinden. Denn dadurch, dass bei Social Media Content zu Hobbies, negative Erlebnisse oder der vielleicht „längere Weg“ hin zu einem Erfolg oftmals außen vor bleiben, wirkt es möglicherweise für Jugendliche so, als hätte eine Aktivität keinen wirklichen Sinn, wenn sich positive Effekte nicht bereits nach kurzer Zeit einstellen.
Tipps und Hinweise
Für Eltern und pädagogische Fachkräfte ist es zunächst wichtig zu verstehen, weshalb Jugendliche gerne Inhalte zu Hobbies auf Social Media teilen. TikTok, YouTube und Co. bieten nicht nur Inspiration, sondern eben auch die Möglichkeit das eigene Umfeld an kleinen oder größeren Erfolgen teilhaben zu lassen. Dies kann zunächst als etwas Positives betrachtet werden. Gleichzeitig ist es wichtig Jugendliche darin zu bestärken, einen eigenen Zugang zu ihren Hobbies zu entwickeln. Hierbei kann es hilfreich sein zu verdeutlichen, dass Jugendliche nicht automatisch Inhalte veröffentlichen oder ihr Hobby leistungsorientiert ausüben müssen, nur weil sie etwas gerne tun. Weiterhin macht es Sinn verschiedene Perspektiven anzubieten und Inhalte, die ein Gefühl von Druck erzeugen, gemeinsam kritisch zu hinterfragen.