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Challenges

Photo by Vinicius Wiesehofer from Pexels

Schon immer haben Kinder und Jugendliche sich gegenseitig mit Mutproben herausgefordert. Auch heute gibt es solche Tests noch, allerdings vermehrt im Internet in Form von Challenges. Das englische Wort bedeutet übersetzt nichts anderes als „Herausforderung“. User*innen fordern sich bei einer Challenge gegenseitig dazu heraus, eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen, sich dabei aufzunehmen und das Video beziehungsweise Foto im Anschluss in einem Sozialen Netzwerk zu veröffentlichen. In diesem Post nominieren sie dann häufig eine*n oder mehrere Freund*innen, die als nächstes an der Challenge teilnehmen sollen. Bei der Chubby-Bunny-Challenge gilt es beispielsweise, mit möglichst vielen Marshmallows im Mund die Wörter „Chubby Bunny“ auszusprechen, was so viel wie „molliges Kaninchen“ bedeutet.

Lebensgefährliche Trends

Das mag zunächst harmlos und spaßig klingen, doch viele Challenges bergen enorme gesundheitliche Risiken und können sogar lebensbedrohlich sein. Ein Beispiel hierfür ist die Cinnamon-Challenge, bei der man einen Löffel Zimt ohne Flüssigkeit zu sich nehmen soll. Gerät das staubige Gewürz beim Husten in die Lunge, kann das zu schwerer Atemnot und im schlimmsten Fall sogar zum Ersticken führen.

Warum lassen sich Jugendliche auf solche gefährlichen und scheinbar sinnfreien Challenges ein? Häufig wirken die Posts lustig, doch hinter der Teilnahme steckt vor allem der Wunsch nach Aufmerksamkeit und Anerkennung in der Peer Group. Als witzig, cool, mutig und hart im Nehmen wahrgenommen zu werden, ist in der Pubertät enorm wichtig – Challenges bieten Heranwachsenden eine scheinbar gute Gelegenheit, dies unter Beweis zu stellen. Nominierungen spitzen die Situation noch weiter zu, denn sie erzeugen sozialen Druck, die Herausforderung anzunehmen, um nicht als schwach oder verängstigt zu gelten.

Wie stark das Verlangen nach Anerkennung ist, zeigt beispielsweise die äußerst schmerzhafte Salt & Ice Challenge, bei der Salz auf die Haut gestreut und anschließend ein Eiswürfel darauf gelegt wird. Da das Salz die Temperatur des Eises enorm absenkt, kann es zu sehr schweren Verbrennungen auf kommen. Noch gefährlicher ist das Choking Game – eine Challenge bei der sich User*innen selbst mit einem Gürtel oder Seil bis zur Ohnmacht würgen.

Verstärkender Effekt des Netzes

Dieses absurde „Spiel“ ist bezeichnend für den extrem verstärkenden Effekt, den das Internet auf Mutproben hat: In Sozialen Netzwerken unter der Vielzahl von Videos und Bildern aufzufallen, ist sehr schwierig – um sich gegenseitig immer wieder zu übertreffen und so Anerkennung zu finden, bringen Heranwachsende sich in immer extremere, gefährlichere Situationen. So arten auch anfangs harmlose Trends wie das Planking aus: Zunächst ging es hierbei nur darum, ein Foto von sich selbst, flach am Boden liegend, aufzunehmen und dieses zu posten. Doch um aus der Masse herauszustechen, fotografieren sich User*innen an äußerst gefährlichen Orten wie beispielsweise auf Bahngleisen oder Balkongeländern. Statt erschrockener Reaktionen erhalten sie im Netz viel Zuspruch dafür, das riskante Verhalten wird bestärkt und stachelt andere zum Nachahmen und Überbieten an.

Was kann man tun, damit Kinder und Jugendliche sich nicht in riskante, lebensgefährliche Situationen bringen? Für Eltern und pädagogische Fachkräfte ist es wie immer besonders wichtig, mit Heranwachsenden über die Hintergründe und Risiken von Challenges zu sprechen und sie zum Hinterfragen und Reflektieren anzuregen – nicht nur das aktive Mitmachen, sondern auch das Liken und Teilen von gefährlichen Posts könnte andere motivieren, sich in Gefahr zu bringen. Riskante Challenges lassen sich bei Jugendschutz.net als jugendgefährdend melden. Um eine Pädagogik des erhobenen Zeigefingers zu vermeiden, kann man Kinder und Jugendliche auch auf harmlose Alternativen aufmerksam machen, wie die Crocs Challenge, bei der die gleichnamigen Schuhe geworfen werden und – wie durch Zauberhand – immer auf der gleichen Seite landen.