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„Finanzguru”, „zertifizierte*r Ernährungsberater*in”, „Beziehungsexpert*in” oder „Schlafcoach”: Auf Social Media begegnen Nutzenden täglich Personen, die sich als Expert*innen präsentieren und Ratschläge zu bestimmten Themen geben. Dabei ist die Unterscheidung zwischen Personen mit tatsächlicher Expertise und solchen mit fragwürdigen oder unzureichenden Qualifikationen nicht immer einfach.

Expert*innen auf Social Media

In Beiträgen auf Instagram, TikTok und Co. vermitteln (selbsternannte) Expert*innen Wissen und Tipps. In kurzen oder längeren Videos teilen sie persönliche Erfolgsgeschichten, Checklisten oder Tricks, häufig mit Garantieversprechen für Verbesserungen in Bereichen wie beispielsweise Gesundheit, Finanzen oder Beziehungen, und verweisen auf ihre Qualifikation.

Dabei folgen die Videos oft ähnlichen Mustern. Häufig beginnen sie mit einem spannenden Einstieg wie: „Ich wette, du hast noch nicht gewusst, dass …” oder „Die meisten Menschen machen diesen Fehler, wenn es um XY geht”. Manche nutzen polarisierende Statements wie „Schlafe niemals 8 Stunden!” im Thumbnail, um Zuschauende auf den Inhalt aufmerksam zu machen, andere verweisen mit Sätzen wie „Hautärztin klärt auf” oder „Als Ernährungswissenschafts-Studentin” direkt auf ihre eigene Expertise. Andere nennen keine ausdrückliche Qualifikation, nutzen jedoch visuelle Hinweise, beispielsweise durch das Tragen eines Arztkittels mit Stethoskop oder die Positionierung vor Bücherregalen im Hintergrund.

Oft werden komplexe Sachverhalte vereinfacht, in leicht verständlicher Sprache erklärt und mit eingeblendeten Bildern, Schlagwörtern oder spannender Musik hinterlegt, um die Relevanz des Gezeigten zu verdeutlichen. Zudem greifen Videos in diesem Kontext häufig auf Statistiken und Studienergebnisse zurück, um sie faktisch zu untermauern.

Social Media-Plattformen ermöglichen es, Wissen für viele Menschen zugänglich zu machen. Fachpersonen können Informationen, die für Laien im Alltag nützlich sein können, mit wenig Aufwand visuell ansprechend aufbereiten und verständlich darstellen. Dadurch können Nutzende niedrigschwellig Einblicke in unterschiedliche Fachgebiete erhalten und sich über wissenschaftliche Erkenntnisse oder praktische Alltagstipps informieren.

Herausforderungen

Es kann allerdings schwierig sein, die Qualität der Qualifikation vermeintlicher Expert*innen zu beurteilen. Viele der Begriffe, die in diesen Kontexten genutzt werden, sind – anders als zum Beispiel „Ärztin” oder „Arzt” rechtlich nicht geschützt, was bedeutet, dass sich grundsätzlich jede Person als „Expert*in”, „Berater*in” oder „Mentor*in” bezeichnen kann. 

Auch Angaben wie „zertifiziert” oder „ausgebildet” wirken auf den ersten Blick überzeugend, sagen jedoch wenig darüber aus, wie umfangreich oder anerkannt die entsprechende Ausbildung ist. Beispielsweise kann es vorkommen, dass Zertifikate von privaten Anbietern stammen und nach nur wenigen Stunden Schulung ausgestellt werden. 

Problematisch wird es, wenn Personen Kompetenz vortäuschen, über die sie nicht verfügen, beispielsweise um ihre Reichweite zu steigern oder kommerzielle Interessen zu verfolgenetwa den Verkauf von Produkten. Da komplexe Informationen auch von „echten” Expert*innen auf Social Media oft vereinfacht dargestellt werden, kann Seriosität einfacher impliziert werden, als dies in anderen Kontexten möglich wäre. Zudem können gerade auf Social Media hohe Follower*innenzahlen, professionell wirkende Inhalte und selbstbewusstes Auftreten schnell den Eindruck erzeugen, dass es sich um Fachwissen handelt.

Auch die Verwendung von Studienergebnissen in TikToks und Reels garantiert keine faktische Richtigkeit, da diese im Rahmen der vereinfachten Darstellung möglicherweise selektiv ausgewählt oder aus dem Zusammenhang gerissen werden.

Tipps und Hinweise

Eltern und pädagogische Fachkräfte sollten Kinder und Jugendliche dabei unterstützen, Expert*innen-Inhalte auf Social Media kritisch einzuordnen. Um gemeinsam zu hinterfragen, welche Qualifikationen eine Person tatsächlich besitzt, sollte reflektiert werden, welche Berufsbezeichnungen in diesem Kontext geschützt sind und welche nicht. Zudem sollte vermittelt werden, dass hohe Follower*innenzahlen und seriös wirkende Inhalte nicht automatisch Nachweise für Fachkompetenz sind.

Hilfreiche Fragen könnten sein:

  • Wer steckt hinter dem Account?
  • Welche Qualifikation wird genannt?
  • Werden Quellen angegeben?
  • Was für Interessen könnten hinter den Ratschlägen stehen? (Bspw. Produktwerbung)

Kindern und Jugendlichen sollte zudem erklärt werden, dass es sinnvoll sein kann, Informationen nicht nur aus einer Quelle zu beziehen, sondern verschiedene Perspektiven zu vergleichen und die Aussagen zu überprüfen. Besonders bei Themen wie Gesundheit, Finanzen oder psychischem Wohlbefinden ist es wichtig, auf vertrauensvolle Quellen zurückzugreifen.

Grundsätzlich sollte es nicht Ziel sein, Social Media-Inhalten grundsätzlich zu misstrauen. Vielmehr sollten Kinder und Jugendliche dabei unterstützt werden, Informationen bewusst zu hinterfragen und zu lernen, die Glaubwürdigkeit von Quellen eigenständig einzuschätzen.