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Hinweis: Da sich dieser Artikel damit beschäftigt, welche Auswirkungen die Rezeption bestimmter, von männlich gelesenen Personen erstellter Inhalte auf Jungen und junge Männer hat, wird im Folgenden die männliche Form bestimmter Wörter verwendet.

Die Frage, wie der vermeintlich „perfekte Mann” aussieht und wie dieses Ideal erreicht werden kann, wird unter dem Hashtag #Looksmaxxing auf Plattformen wie TikTok und Instagram aufgegriffen. Dort werden Inhalte zur körperlichen Selbstoptimierung verbreitet, die eine junge männliche Zielgruppe ansprechen.

Was ist Looksmaxxing?

Auf Social Media verbreiten sich unter dem Hashtag #Looksmaxxing zahlreiche Beiträge, die sich von jungen Männern an junge Männer richten. In diesen werden Tipps und Routinen geteilt, die dazu führen sollen, sich einem bestimmten Schönheitsideal anzunähern.

„Looksmaxxing” beschreibt dabei das Vorhaben, das eigene äußere Erscheinungsbild gezielt und möglichst umfassend zu optimieren. Ziel ist es, aus dem eigenen Aussehen das Bestmögliche herauszuholen und dadurch zu einem attraktiven, selbstbewussten und erfolgreichen Mann zu werden, der gesellschaftliche Anerkennung erfährt.

Die äußerliche Selbstoptimierung steht im Vordergrund und verlangt Disziplin, harte Arbeit und in vielen Fällen die Bereitschaft, Anstrengung und Schmerzen in Kauf zu nehmen.

Begriff & Ursprung

Der Begriff „Looksmaxxing” setzt sich aus „looks” (Aussehen) und „maxxing” (steht für maximieren) zusammen – also die gezielte “Maximierung” des äußeren Erscheinungsbildes.

Ursprünglich stammt der Trend aus Communities der sogenannten „Manosphere”, einem Netzwerk aus Onlineforen und Plattformen, in denen häufig traditionelle Männlichkeitsvorstellungen vertreten und misogyne Inhalte verbreitet werden. In diesem Kontext wurde Looksmaxxing von sogenannten „Incels” geprägt, die sich als unfreiwillig enthaltsam bezeichnen (engl. involuntary celibates). Innerhalb dieser Szene hat sich Looksmaxxing zu einer eigenen Subkultur mit spezifischen Praktiken und Begriffen entwickelt, in der die Vorstellung verbreitet wird, dass sich durch die Optimierung des Aussehens nicht nur die Attraktivität im Dating-Kontext, sondern auch der soziale Status steigern lässt.

Obwohl der Trend bereits länger besteht, hat er sich seit Ende 2023 stark auf Social Media verbreitet und erreicht über Plattformen wie TikTok eine breitere Zielgruppe.

Angestrebtes Aussehen & Maßnahmen

Das von „Looksmaxxern” angestrebte Erscheinungsbild entspricht einem sehr konkreten Idealbild: Der optimale Mann ist groß und hat breite Schultern, definierte Muskeln, eine markante Kieferpartie („Jawline”) und ein symmetrisches Gesicht. Als besonders attraktiv gelten außerdem sogenannte “Hunter Eyes” (tiefliegende, mandelförmige Augen mit klar definierter Lidfalte).

Die im Rahmen von Looksmaxxing verbreiteten Methoden zur Erreichung dieses Schönheitsideals sind vielfältig und reichen von alltagsnahen Tipps bis hin zu riskanten Eingriffen. Dabei steht die Devise im Vordergrund, dass eine drastische Veränderung des Aussehens eine Frage der Disziplin ist, für die es in erster Linie Willenskraft braucht.

Zu den einfacheren Praktiken, auch „Softmaxxing” genannt, zählen beispielsweise Skincare, Styling, Sport und Ernährung. Teilweise werden auch Gesichtsübungen wie „Mewing” (Herandrücken der Zunge an den Gaumen) empfohlen, deren Wirksamkeit jedoch nicht nachgewiesen ist.

Demgegenüber beschreibt der Begriff „Hardmaxxing” deutlich drastischere Ansätze. Neben der Einnahme von verschreibungspflichtigen Nahrungsergänzungsmitteln zur Steigerung des Testosteronhaushalts gehören hierzu auch kosmetische Eingriffe wie Haartransplantationen oder Schönheitsoperationen. Als beliebt gelten zudem selbstdurchgeführte Eingriffe mit hohen gesundheitlichen Risiken, wie beispielsweise sogenanntes „Bone Smashing”, bei dem sich mit einem Hammer die Kieferknochen leicht angebrochen werden, in der Hoffnung, dass sie ästhetischer wieder zusammenwachsen.

Looksmaxxer auf TikTok und Co.

Auf Social Media erreicht der Looksmaxxing-Trend Millionen junge Männer und Jugendliche. Influencer, die als Mentoren Tipps zur Aussehens-Optimierung geben, spielen dabei eine zentrale Rolle, obwohl sie häufig über keine erkennbaren Qualifikationen verfügen.

In ihren Inhalten vermitteln sie, wie sich Aussehen und Auftreten verändern lassen und welche positiven Folgen daraus resultieren. Bei dem dadurch transportierten Bild von Männlichkeit stellt äußere Attraktivität in der Regel den entscheidenden Faktor für Erfolg dar. Dabei wird teilweise der Eindruck vermittelt, dass ausschließlich das Aussehen über den eigenen Wert entscheidet und eine konsequente Optimierung dessen einem alle Türen öffnet.

Der Influencer Braden Eric Peters (@Clavicular) zählt zu den bekanntesten Influencern der Szene. Der 20-Jährige erklärt offen, dass er täglich Steroide einnimmt und berichtet in einem Interview sogar von kontrollierter Crystal Meth-Einnahme.

Herausforderungen

Looksmaxxing ist mit verschiedenen Herausforderungen verbunden, die sowohl physische als auch psychische Dimensionen betreffen. Bereits die zugrunde liegenden Ideale orientieren sich an unrealistischen und stark normierten Schönheitsidealen, die für die meisten Menschen kaum oder gar nicht erreichbar sind. Der damit verbundene Fokus auf äußere Optimierung kann einen Perfektionsdruck hervorrufen und Unzufriedenheiten mit dem eigenen Körper auslösen oder verstärken. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass gesundheitliche Risiken – etwa durch extreme Diäten, übermäßiges Training oder den Einsatz leistungssteigernder Substanzen – unterschätzt werden. Hinzu kommt, dass Looksmaxxer den eigenen Wert fast ausschließlich an das äußere Erscheinungsbild knüpfen und vermitteln, dass physische Attraktivität entscheidend für Erfolg, Anerkennung und Beziehungen ist. Gleichzeitig wird der Eindruck vermittelt, dass das eigene Aussehen umfassend kontrollierbar sei und man daher die vollständige Verantwortung für sein äußeres Erscheinungsbild trägt.

Gerade bei Jugendlichen und jungen Männern, die sich in einer Phase befinden, in der sowohl Körperbild als auch die eigene Identität noch in der Entwicklung sind, können solche Inhalte Unsicherheiten ansprechen und verstärken. 

Neben konkreten Vorstellungen von Männlichkeit vertreten prominente Looksmaxxer zudem häufig rassistische und frauenfeindliche Einstellungen. 

Tipps und Hinweise

Für eine Faszination mit Looksmaxxing sollten Eltern und pädagogische Fachkräfte Interesse zeigen und diese als Gesprächsanlass nutzen, anstatt vorschnell zu urteilen. Sie sollten Jugendliche dabei unterstützen, die Inhalte kritisch zu hinterfragen.

Darüber hinaus sollten sie Jugendliche dabei unterstützen, ein realistisches und gesundes Körperbild zu entwickeln und darin bestärken, ihren Selbstwert nicht ausschließlich an das eigene Aussehen oder äußere Bestätigung zu knüpfen. Dabei kann es hilfreich sein, individuelle Stärken und Fähigkeiten zu reflektieren.

Eltern und Fachkräfte sollten auch auf mögliche Warnsignale wie starke Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, extremes Kontrollverhalten oder sozialen Rückzug achten. In solchen Fällen ist es wichtig, frühzeitig das Gespräch zu suchen und gegebenenfalls professionelle Hilfe hinzuzuziehen. In Deutschland bieten beispielsweise die Nummer gegen Kummer (116 111) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Unterstützung an.