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In den letzten Jahren erlangten sogenannte „Smart Glasses“ immer größere Popularität. Wie der Name bereits verrät, handelt es sich hierbei um „Intelligente Brillen“, die aufgrund verschiedener, zusätzlicher Funktionen deutlich über den Zweck einer gewöhnlichen Sehhilfe hinausgehen.

Geräte, die wir im Alltag ständig an uns tragen, werden auch „Wearables“ genannt. Hierzu zählen beispielsweise auch Smartwatches.

Seit wann gibt es Smart Glasses?

Bereits im Jahr 2012 wagte Google den ersten Versuch Smart Glasses auf den Markt zu bringen. Eine hohe Nachfrage blieb damals jedoch aus, da sich viele Menschen durch die Kamerafunktion der Brille in ihrer Privatsphäre bedroht fühlten. Der Verkauf wurde deshalb schnell wieder eingestellt. Erst neun Jahre später im September 2021 gelang Meta in Kooperation mit einem bekannten Brillenhersteller ein Modell, das sich als marktfähig erwies und den kommerziellen Durchbruch schaffte. Seitdem hat sich die Brille weltweit millionenfach verkauft und gilt als die beliebteste auf dem Markt.

Was können Smart Glasses?

Der Begriff „Smart Glasses“ bezeichnet ganz allgemein Brillen, in die technische Komponenten wie etwa Sensoren, Kameras, Lautsprecher oder Mikrofone eingebaut sind. Modelle wie das von Meta und dem Brillenhersteller sind jedoch besonders, da sie optisch kaum von einer gewöhnlichen (Sonnen-)Brille unterscheidbar sind. Gleichzeitig bieten sie eine Vielzahl an Funktionen wie etwa Foto- und Videoaufnahme, Telefonie oder Medienwiedergabe. Zusätzlich ist die neuere Generation der Brille mit Meta AI verknüpft und bietet deshalb verschiedene KI-gestützte Funktionen, mithilfe derer aufgenommene Bilder ausgewertet werden können. Um diese weiterführenden Features nutzen zu können, muss das Gerät mit einer speziell von Meta entwickelten App verbunden sein.

Smart Glasses und Persönlichkeitsrechte

Immer wieder werden Smart Glasses für heimliche Foto-, Video- und Tonaufnahmen genutzt. Denn bei vielen Modellen verraten lediglich eine kleine Kameralinse und eine LED, die bei der Aufnahme leuchtet, dass es sich um Smart Glasses handelt. Diese visuellen Hinweise könnten jedoch von Betroffenen übersehen oder mit Absicht von den Besitzer*innen verdeckt werden. Nicht selten werden Aufnahmen im Anschluss ohne das Wissen der gezeigten Personen auf Social Media veröffentlicht. Aktuell wird deshalb über das Missbrauchspotenzial sowie ein eventuelles Verbot der Brillen in den deutschen Medien breit diskutiert. Bei der Debatte um ein Verbot geht es vor allem um die Frage, ob es sich bei Smart Glasses um als Alltagsgegenstand getarnte Kameras bzw. Aufnahmegeräte handelt. Als solche würden sie unter die verbotenen Telekommunikationsmittel fallen. Hier setzt die gemeinnützige Organisation HateAid an, die sich gegen Hass, Gewalt und Desinformation einsetzt und unter anderem Beratung und rechtliche Unterstützung anbietet. Sie hält den Vertrieb bestimmter Smart Glasses für rechtswidrig und hat auf Basis dieser Annahme kürzlich Strafanzeige gegen die Geschäftsführungen von Meta, den Brillenherstellern sowie großer Optik-Handelsketten erstattet und ein Verbot gefordert.
Hinzu kommt, dass die KI-Integrationen in aktuelleren Smart Glasses die Frage aufwerfen, inwiefern mithilfe der Brillen gesammelte Daten verarbeitet und zu Trainingszwecken genutzt werden. Die Sensibilisierung für eine verantwortungsvolle Nutzung dieser neuen technischen Möglichkeiten ist aufgrund dieser Risiken essenziell.

Tipps und Hinweise

Sollten Jugendliche Smart Glasses nutzen wollen, ist es wichtig, mit ihnen über das Thema Persönlichkeitsrechte, insbesondere über das Thema Recht am eigenen Bild, zu sprechen. Ihnen sollte bewusst sein, dass sie die Aufnahmefunktion der Smart Glasses nur mit dem vorherigen Einverständnis gezeigter Personen nutzen dürfen. Auch umgekehrt sollten Kinder und Jugendliche ihre Rechte kennen, falls sie ohne Einverständnis von einer anderen Person aufgenommen werden. Besonders aufgrund der immer umfangreicheren KI-gestützten Funktionen der Brillen, ist es zudem ratsam, sich mit dem Thema Datenübertragung auseinanderzusetzen. Die Geräte sind meist mit zahlreichen Sensoren ausgestattet, die private Informationen wie den Standort der*des Träger*in speichern. Vor Nutzung sollten deshalb die Berechtigungen der zugehörigen App überprüft und jene, die nicht zwingend notwendig sind oder ein Training der KI-Modelle erlauben, ausgeschaltet werden.