8. Interaktive YouTube-Story

darum geht’s
Entwicklung und filmische Umsetzung einer Geschichte mit verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten, die jeweils den Weitergang der Geschichte beeinflussen. Die jugendlichen haben dabei die Möglichkeit sich mit verschiedenen Handlungsmöglichkeiten und deren Konsequenzen auseinanderzusetzen.

rahmenbedingungen
Das Projekt ist zeitlich aufwändig, da eine komplexe Geschichte bzw. mehrere parallele Stränge entwickelt werden müssen und diese dann auch filmisch umgesetzt werden müssen.
Wir empfehlen mindestens 3 (halbe, besser ganze) Tage: einen für Planung, einen für Filmdreh und einen für Post-Produktion und Veröffentlichung auf YouTube.
Alter: ab 10 Jahren, wenn Kenntnisse (YouTube) vorhanden sind.
Je nach Betreuungsschlüssel können 4-8 (ggf. mehr) jugendliche TeilnehmerInnen beschäftigt werden.

eingesetztes material / eingesetzte medien
• Videoequipment (traditionell oder mit Tablets)
• Rechner für Schnitt (oder am Tablet) und Veröffentlichung
• YouTube (Internetzugeng)

beschreibung der methode
Nachdem das Thema „Konflikte im Netz“ durch Einstiegsübungen aufgemacht wurde, sollte das Zielprodukt erklärt werden. Dazu eignen sich schon vorhandene interaktive YouTube-Stories, z.B. bei Y-Titty (mit der Gefahr, damit Standards und Ideen festzusetzen, aber ein Beispiel braucht es für den folgenden Prozess). Danach geht es an die Ideenfindung für den Film, dabei können verschiedenste Brainstorming-Methoden ausgewählt werden, z.B. folgende: Jeder schreibt eine kurze Idee, ein Ereignis, malt eine Skizze, Schlagworte etc. auf einen Kuvert, dafür hat jeder 3 Minuten Zeit. Danach werden alle Kuverts im Uhrzeigersinn weitergereicht, jeder schreibt auf einen Notizzettel, was einem zu dieser Idee einfällt und packt die Idee ins Kuvert. Nach einer Minute wird wieder im Uhrzeigersinn gewechselt, bis das eigene Kuvert wieder angekommen ist. Danach stellt der Ursprungsideengeber alle weiteren Ideen vor, diese können diskutiert und bewertet werden. Am Ende legt sich die Gruppe auf eine machbare, geeignete Idee fest. Häufig können zahlreiche weitere Ideen ebenfalls integriert werden, wodurch eine spannende Geschichte entsteht.
Um eine spannende, interaktive Geschichte erzählen zu können, ist es dann wichtig, eine Erzählperspektive zu wählen und Entscheidungsmomente einzubauen. Diese müssen auch tatsächliche Entscheidungen sein, d.h. der Film kann in die eine oder in die andere Richtung weitergehen. Um am Ende nicht zu viel Material produzieren zu müssen, gibt es dazu allerdings auch Tricks. Der einfache ist, Sackgassen zu produzieren – d.h. der Zuschauer hat sich z.B. falsch entschieden, ist „game over“ und muss wieder vom Start beginnen. Der elegantere ist, die Geschichte nach ein oder zwei Teilen wieder zur Ursprungsgeschichte zurück zu führen. So gibt es keinen Abbruch, evtl. muss der Zuschauer mehr „durchleben“, kommt aber wieder am selben Ergebnis an. Davon merkt er nicht, wenn er die interaktive Story nur einmal spielt, denn er kennt den alternativen Weg nicht. Am Ende sollte man sicherstellen, dass alle relevanten Inhalte durchspielt wurden, damit alles Wichtige transportiert wurde.
Diese komplexe, verschachtelte Geschichte sollte anhand eines Storyboards gezeichnet werden, wobei es dabei insbesondere darum geht, die Entscheidungsmomente festzuhalten und die Fortschritte aufzuzeigen. Auch sollte hier aufgezeigt werden, welche Entscheidung zu welchem Teil der weiteren Geschichte führt. Dies wird ein wichtiges Dokument für den folgenden Dreh und den Schnitt.
Die filmische Umsetzung als klassisches Handwerkszeug der Medienpädagogik wird an dieser Stelle nicht weiter erläutert. Beim Dreh sollte schlicht nicht vergessen werden, jeweils alle alternativen Fortsetzungen zu drehen und insbesondere auf die Anschlüsse zu achten.
Beim Schnitt müssen dann alle im Storyboard festgelegten Teile einzeln produziert werden, auch die Möglichkeiten, wie die Geschichte weitergeht, sollten in dem Video angelegt sein, z.B. in dem am Ende des Clips für 10-20 Sekunden zwei Texttafeln, Sprechblasen oder ähnliches eingeblendet werden.
Diese Teile werden dann einzeln auf einen YouTube-Channel hochgeladen, der erste Teil sichtbar, alle anderen mit der Einstellung „Nicht gelistet“ – so kann niemand mitten in die Geschichte einsteigen, ohne zu verstehen, worum es geht oder direkt einfach das Ende auswählen.
Anschließend müssen noch bei jedem Video das Feld „Anmerkungen“ ausgewählt werden, danach „Anmerkung hinzufügen“ und dort am besten „Spotlight“ auswählen, über die Sprechblasen zum richtigen Zeitpunkt die Spotlights in der Größe angepasst werden und noch mit dem richtigen Video verlinkt werden, bis alle Teile richtig miteinander verlinkt sind.
In Zukunft kann der erste Teil beworben werden, alle anderen tauchen dann erst im Laufe der interaktiven Geschichte auf.

was bringt die methode
Die Methode setzt intensive persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema als auch den behandelten Medien voraus. Sie bewirkt vor allem eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Handlungsoptionen, die allen beteiligten, ggf. in unterschiedlichem Umfang gegeben ist. Mit diesen müssen sich alle intensiv auseinander setzen, um sie dann im Film umsetzen zu können.

worauf muss man achten
Während der Entwicklung der Geschichte und des Produktionsprozesses tauchen sehr viele Themen auf – um nicht nur auf die Produktion konzentriert zu sein, sondern die Methode zu nutzen, um Anlass für genau diese spannenden Gespräche zu geben, sollte genügend Zeit eingeplant werden.

 

Beispielprojekt(e):

„Challenge“ – Eine interaktive YouTube-Story

Download: Methode „Interaktive YouTube-Story“