15. Peer-to-Peer Jugend-Mentorinnen und -Mentoren

darum geht’s
Hierbei schlüpfen erfahrenere Jugendliche in die Rolle von Vermittlerinnen und Vermittlern, die andere Jugendliche bei Fragen des kompetenten Umgangs mit dem Web 2.0 beraten oder eigene Projekte zu den Themen Datenschutz, Persönlichkeitsrechte und Urheberrecht durchführen. Dadurch entstehen weitere Chancen für Partizipation und Peer-to-Peer-Lernen in der Jugendarbeit.

zielgruppen
• ältere Jugendliche mit Community-Erfahrung, die als Medienexpertinnen und -experten fungieren.

rahmenbedingungen
• erfordert intensive Planung und Begleitung
• kontinuierlicher Zeitaufwand für die Betreuung der Jugendlichen

ziele
• Peer-to-Peer-Lernen ermöglichen.

beschreibung
Es ist davon auszugehen, dass sich die in Communitys aktiven Jugendlichen gut mit den technischen, gestalterischen und kommunikativen Möglichkeiten der Internetnutzung auskennen. Die Peer-Group ist ein wichtiger Bezugspunkt für Jugendliche, was das Medienhandeln, aber auch die Orientierung an gemeinsamen Werten betrifft. Das gilt auch für den Umgang untereinander in Online-Communitys.

Ziel dieser Methode ist es deshalb, Jugendliche in die Vermittlung einzubinden und als Expertinnen und Experten zu qualifizieren, die zum einen über Potenziale, Fallstricke und Handlungsalternativen der Internetnutzung Bescheid wissen, zum anderen aber auch didaktisch-methodisch darauf vorbereitet sind, ihr Wissen an andere weiterzugeben. Die Weitergabe wird beispielsweise dadurch möglich, dass die Jugendlichen in der Einrichtung als kompetente Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur Verfügung stehen, Diskussionen in der Peergroup anregen und bei Fragen beraten können oder dadurch, dass die Jugendlichen Projekte durchführen. Dabei ist auch daran zu denken, Communitys als Handlungsort mit einzubeziehen.

Als Mentorinnen und Mentoren eignen sich jene jugendlichen Medienexpertinnen und -experten, die bereit sind, ihr Wissen an andere weiterzugeben und Verantwortung zu übernehmen. Dadurch entstehen auch Partizipationschancen für Jugendliche, die ihre medienbezogenen Kompetenzen in der Jugendarbeit bislang nicht einbringen konnten. Die Mentorinnen und Mentoren sollten sich einen Namen geben, der ihr Know-how deutlich macht und für Zusammenhalt und Motivation sorgt. Die Beteiligten können hierfür eine eigene Bezeichnung entwickeln. Sie brauchen für ihre Aufgabe eine feste Ansprechperson (Anleitung), die für Motivation, Unterstützung sowie regelmäßiges Feedback verantwortlich ist und regelmäßige Aktivitäten anregt und unterstützt. Die Ausbildung von Mentorinnen und Mentoren umfasst folgende Schritte:

1. Information/Qualifizierung und Entwickeln methodischer Konzepte

In Kleingruppen oder Einzelarbeit können sich die Jugendlichen mit Hilfe der Materialien auf webhelm.de über den Sachverhalt informieren. Denkbar ist auch, dass für jeden der einzelnen Bereiche Datenschutz, Persönlichkeitsrechte und Urheberrecht ein spezialisiertes Teams zuständig ist. Für die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema können durch die Anleitung die oben genannten Methoden genutzt werden. Diese stehen Mentorinnen und Mentoren auch für die Vermittlung an andere Jugendliche zur Verfügung. Zunächst ist gemeinsam zu überlegen, welcher Vermittlungsbedarf bei den Jugendlichen in der Einrichtung besteht und welche Angebots- oder Projektformen denkbar sind. Für die ersten Aktivitäten sollte eine möglichst präzise und überprüfbare Zielsetzung formuliert und ein detaillierter Ablaufplan entwickelt werden. Durch wechselseitige Vorstellung der Ideen können Feedback und weitere Anregungen eingeholt werden.

2. Erste Angebote oder Projekte

Bei der Durchführung von ersten Aktivitäten sollte die Anleitung u.U. unterstützend zur Hand gehen, sich aber nicht zu sehr einmischen. Die Mentorinnen und Mentoren benötigen insgesamt eine feste Ansprechperson, die sie sowohl bei Fragen und der Entwicklung ihres fachlichen Wissens, als auch ihrer methodisch-didaktischen Kompetenzen und bei der Durchführung von Projekten unterstützt. Die ersten Schritte sollten fotografisch – oder wenn dies von den Teilnehmenden gewünscht ist auch per Video – dokumentiert werden. Diese Aufnahmen dienen u.a. der Evaluation des Projekts oder zur Erinnerung.

3. Evaluation und Feedback

Beim Feedback – das sowohl durch die Anleitung als auch durch die Beteiligten vermittelt wird – sollte darauf geachtet werden, dass die Motivation der Mentorinnen und Mentoren nicht unter der notwendigen inhaltlichen und formalen Kritik leidet. Feedbackregeln müssen also gegebenenfalls zuerst vermittelt werden. Die Anregungen sollten auf jeden Fall dokumentiert und in die Planung weiterer Aktivitäten einbezogen werden.

4. Institutionalisierung oder Durchführung weiterer Projekte

Auf Basis der gemachten und reflektierten Erfahrungen kann nun eine Institutionalisierung (zum Beispiel ein Jugendlicher als fester Ansprechpartner in der Einrichtung oder Jugendgruppe) oder die Planung von weiteren Projekten erfolgen. Aufgabe der Leitung ist dabei, die Mentorinnen und Mentoren gemäß ihrer zeitlichen Möglichkeiten zu weiteren Aktivitäten zu ermutigen und sie darin zu unterstützen. Wichtig ist natürlich auch, dass die Jugendlichen etwas für ihren Einsatz zurückbekommen. Engagement findet deswegen statt, weil man sich etwas davon erwartet – nicht zwangsläufig eine materielle Entlohnung, sondern auch das Gefühl, etwas Besonderes geleistet zu haben und die Anerkennung hierfür. Denkbar ist auch eine Wertschätzung in Form von kleinen Präsenten, die Bedankung bei größeren Veranstaltungen o.Ä.

beispiel
Die Mentorinnen und Mentoren gestalten einen Informationsnachmittag für Einsteigerinnen und Einsteiger in Online-Communitys. Mögliche Inhalte könnten Informationen zu Privatsphäreeinstellungen, gesetzlichen Regeln, möglichen Fallstricken und Gefahren oder Regeln für die eigene Selbstdarstellung, die Vernetzung und den Umgang untereinander sein. Die Teilnahme an dem Angebot wird mit einer Urkunde belohnt. Denkbar wäre auch, dass die Mentorinnen und Mentoren ein thematisches Nachmittagsangebot entwickeln und ein einfaches Medienprojekt mit anderen Jugendlichen durchführen (siehe zum Beispiel Methode 3).

variationsmöglichkeiten
Anregungen für die Umsetzung bieten unter anderem die Peer-to-Peer-Modellprojekte, die im Rahmen des Projektes peer³ – fördern_vernetzen_qualifizieren entwickelt und durchgeführt wurden. Insbesondere in der Expertise „Peer-to-Peer-Konzepte in der medienpädagogischen Arbeit“ (pdf) finden sich weitere grundlegende Anregungen und eine Übersicht über aktuelle Projekte.
Andere Beispiele für Peer-Education-Modelle, die sich dem Themenbereich Handy widmen, sind das Projekt Handy-Scouts der Aktion Kinder- und Jugendschutz, Schleswig-Holstein (http://www.akjs-sh.de/handy_scouts/Handy_Scouts.html) sowie das Projekt Handy: lieb & teuer der Landesstelle Jugendschutz, Niedersachsen (www.handy-liebundteuer.de).
In Baden-Württemberg wurde mehrere Jahre ein Peer-to-Peer-Modell erfolgreich an Schulen durchgeführt. Umfangreiche Materialien und weitere Informationen zu diesem Modell finden Sie unter www.schuelermedienmentoren.de.

 

Die Druckversion dieser Methode können Sie hier herunterladen:

Download: Methode „Peer-to-Peer Jugend-Mentorinnen und -Mentoren“ (Version von Juni 2012)